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Blick über die Reitanlage des RV Rheinböllen

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Die ersten Jahre des ältesten Reitvereins im Hunsrück.

Die Geschichte unseres Vereins

Der Reit- und Fahrverein Rheinböllen und Umgebung ist der älteste Reitverein im Hunsrück. Die Chronik begleitet die ersten Jahre: von der Gründung 1954 über das erste Turnier und die ersten Siege bis zum Bau der Reithalle in Kleinweidelbach.

  • 1954gegründet in Rheinböllen
  • 12Gründungsmitglieder
  • 90Mitglieder nach zehn Jahren
1954

Das Gründungsjahr

Am Samstag, dem 31. Juli 1954, trafen sich zwölf reitsportbegeisterte Freunde im Gasthaus zur Post in Rheinböllen und gründeten den Reit- und Fahrverein Rheinböllen und Umgebung. Ihr Ziel: trotz der zunehmenden Modernisierung der Landwirtschaft das Pferd als Partner und Sportkameraden zu erhalten, Reiterei und Tierschutz zu fördern und Reiter und Pferde auszubilden.

Angeregt wurde die Gründung schon 1952 durch die erste reitsportliche Veranstaltung im Hunsrück beim Landesbauerntag in Simmern. Die konstituierende Sitzung organisierten Anton Ketzer aus Rheinböllen und Fritz Conrad, Bürgermeister von Kleinweidelbach.

Die Gründer

  • Anton Ketzer, Rheinböllen
  • Bruno Schenkewitz, Rheinböllen
  • Anton Müller, Benzweiler
  • Fritz Conrad, Kleinweidelbach
  • Willi Diel, Benzweiler
  • Josef Kasper sen., Benzweiler
  • Josef Kasper jun., Benzweiler
  • Otto Weber, Rheinböllen
  • Hans Petermann, Rheinböllen
  • Karl Rothenbach, Kleinweidelbach
  • Otto Merz, Rheinböllen
  • Karl Heinz Rothenbach, Kleinweidelbach

Bei der ersten Versammlung wurde Anton Ketzer zum 1. Vorsitzenden gewählt, Fritz Conrad zum 2. Vorsitzenden. Hans Petermann übernahm die Geschäftsführung, Otto Weber die Kasse. Als Reit- und Fahrlehrer wirkten Otto Weber, ein früherer Kavallerist, und Willi Diel. Der Monatsbeitrag lag bei 1,00 DM. Damit Pferdebesitzer ihre Tiere den Vereinsreitern zur Verfügung stellten, beteiligte sich der Verein an den Kosten der Pferdeversicherung und schloss zusätzlich eine Unfallversicherung ab. Der Zusatz „und Umgebung“ sollte Interessierte aus allen umliegenden Gemeinden ansprechen. Geritten wurde sonntags ab 9.30 Uhr auf dem alten Sportplatz in Rheinböllen.

Mit Werberitten durch Rheinböllen, Dichtelbach, Erbach, Liebshausen, Benzweiler und Steinbach machte sich der Verein bekannt. Bei der ersten Veranstaltung, der Hubertusfuchsjagd am 7. November, konnten schon zahlreiche Gäste begrüßt werden. Im Winter gab es theoretischen Unterricht zu Pferd, Pflege und Ausrüstung, unter anderem mit dem Tierarzt Dr. Schleif aus Stromberg.

Pferde und Reiter beim RV Rheinböllen
1955

Das erste Reitturnier

Zuerst brauchte der junge Verein einen Reitplatz. Das Gelände der früheren Ziegelsteinbrennerei an der Bahnhofstraße wurde von den Eigentümern zur Verfügung gestellt und durch Eigenleistung der Mitglieder, Freunde und Verwandten hergerichtet.

Nach dem guten Verlauf der Fuchsjagd im Vorjahr wagte man ein großes Ziel: das erste Reit- und Springturnier im Hunsrück. Es fand am 25. September 1955 auf dem Sportplatz neben der Turnhalle des TuS Rheinböllen statt. Hindernismaterial besaß der Verein kaum, sodass man sich Hindernisse vom Reitverein Bretzenheim lieh. Später wurden die meisten selbst gebaut, vor allem bei Horst Bender auf der Bendersmühle, wo auch ein Mauersprung entstand, der noch viele Jahre auf den Turnieren zu sehen war.

Schirmherr war der Fabrikant Walter Friedrichs, einer der Hauptsponsoren des Vereins. Landrat Güngerich sowie Amtsbürgermeister Schrieder und Bürgermeister Gumm sprachen Grußworte. Geldpreise wurden noch nicht ausgezahlt, dafür stifteten Freunde, Gönner und Behörden mehr als 50 Ehrenpreise. Den Abend beschloss ein Ball in der Turnhalle am Reitplatz.

In der Generalversammlung am 15. Oktober wurde die Vereinssatzung vorgestellt und genehmigt, außerdem die Eintragung ins Vereinsregister beschlossen. Das Vereinsjahr endete mit der Fuchsjagd am 30. Oktober auf der Manubacher Heide.

  • 25. September 1955, erstes Turnier im Hunsrück
  • 32 gemeldete Pferde in 14 Prüfungen
  • mehr als 50 Ehrenpreise von Freunden und Gönnern
Springreiterin beim Turnier in Rheinböllen
1956

Die ersten Turniere in der Ferne

Der Reitplatz an der Bahnhofstraße wurde weiter ausgebaut, ein Dressurviereck entstand in Eigenleistung. Trainiert wurde jetzt nicht nur sonntags, sondern im Sommer auch abends.

Die intensivere Vorbereitung zahlte sich aus: Erstmals nahm der Verein an Turnieren anderer Vereine teil, in Bretzenheim und Sobernheim noch ohne Platzierung, beim Bezirksturnier in Ebernburg dann mit ersten Erfolgen. Für den Verein starteten Anton Ketzer, Josef Kasper, Gerhard Kasper und Karl Heinz Rothenbach. Die Anreise ist bis heute eine schöne Anekdote: Pferde und Reiter fuhren am Samstagmorgen um 6.00 Uhr in einem Waggon eines Güterzuges nach Bad Münster, das letzte Stück ging es im Sattel zum Turnierplatz. Es gab einen 2. Platz im Jagdspringen der Klasse L/a, einen 4. Platz im Glücksjagdspringen und zwei 5. Plätze.

Höhepunkt war das eigene Turnier am 22. Juli auf dem Sportplatz in Rheinböllen: 44 Pferde starteten in 17 Prüfungen vor bis zu 2.000 Zuschauern. Außerdem ritt der Verein in historischen Kostümen beim Festumzug zur 600-Jahrfeier der Weinstadt Bacharach mit und wirkte beim Winzerfest mit, der Beginn einer langjährigen Verbundenheit.

Zum Jahresende rückte ein neues Ziel in den Mittelpunkt: eine eigene Reithalle. Weil die Pferde im Sommer für die Feldarbeit gebraucht wurden und im Winter Wetter und Boden ein Training im Freien erschwerten, plante man gemeinsam mit dem Turn- und Sportverein eine Halle an der Turnhalle. Die veranschlagten Kosten lagen bei 33.400 DM, um Zuschüsse von Gemeinde, Kreis, Provinzialverband und Sportbund wurde gebeten.

Training auf dem Reitplatz
1957

Die ersten sportlichen Erfolge

Eine eigene Halle gab es noch immer nicht: Der geplante Bau scheiterte, weil die Geldmittel fehlten. Sportlich lief es dafür hervorragend.

In Bretzenheim und Sobernheim gab es zahlreiche Platzierungen, in Ebernburg die ersten Siege. Karl Heinz Rothenbach auf Doris und Josef Kasper auf Harras gewannen zusammen mit Mechthild Richter vom Reitverein Bad Kreuznach das Mannschaftsstafettenspringen und damit den Wanderpokal des „Öffentlichen Anzeigers“. Harras war an diesem Wochenende das herausragende Pferd. Möglich wurden die vielen Turnierbesuche auch durch ein neues Mitglied: August Breidenbach aus Rheinböllen übernahm ab dem 1. Januar 1957 mit seinem Viehtransporter den Pferdetransport.

Das eigene Turnier am 18. August an der Turnhalle zog wieder viele Zuschauer an. 45 gemeldete Pferde aus 12 Vereinen starteten in 14 Prüfungen, und erstmals übernahm ein Landrat die Schirmherrschaft. Den Abschluss bildete ein Gedenkspringen zu Ehren des in diesem Jahr verstorbenen Fabrikanten Walter Friedrichs. Erstmals kam eine größere Zahl eigener Hindernisse zum Einsatz, Blickfang war die bei Horst Bender gebaute rote Mauer.

Die aktiven Reiter wirkten außerdem am Winzerfest in Bacharach und beim Gauturnfest in Rheinböllen mit. Den Saisonabschluss bildete die inzwischen traditionelle Hubertusfuchsjagd. In der zweiten Generalversammlung des Jahres wurde der Vorstand um Karl Rothenbach und Herbert Kopp als weitere Beisitzer ergänzt, neben Horst Bender, dem ersten Beisitzer und Parcoursmeister.

Springsport auf der Anlage
1958

Das Jahr der Geländeritte und Jagden

Ohne Reithalle war im Winter kein intensives Training möglich, und so begann die Saison in Bretzenheim ohne Platzierung. Schon im Juni ging es beim Bezirksturnier in Idar-Oberstein deutlich besser.

Hartmut Ketzer auf Schwalbe, sein Vater Anton Ketzer und Karl Heinz Rothenbach auf Doris holten vordere Platzierungen, auch beim Provinzialturnier in Koblenz. Beim Prämienmarkt in Thalfang richtete der Verein einen Reitertag aus und warb mit reitsportlichen Darbietungen für den Pferdesport. Das eigene Turnier am 3. August hatte 46 Pferde aus 11 Vereinen am Start. Otto Weber ging dort als erster Rheinböllener in Dressurprüfungen der Klassen A und L an den Start und wurde in der A-Dressur Zweiter.

Zum Tag des Pferdes fand der erste Geländeritt statt. Die Reiter starteten im 10-Minuten-Takt am Reitplatz an der Bahnhofstraße und bewältigten eine 15 Kilometer lange Strecke mit Hindernissen, einem Bachlauf, Gräben und Böschungen durch den Ingelheimer Wald bis zum Dichtelbacher Sportplatz. Gewertet wurde nach Fehlerpunkten und Zeit. Weil es inzwischen mehr Reiter als Pferde gab, wurde der Ritt am folgenden Sonntag wiederholt, und eine Woche später folgte ein weiterer Geländeritt durch das Waldgelände von Rheinböllen und Mörschbach.

Waldrand und Gelände im Hunsrück
1959

Hallen- und Platzbau in Kleinweidelbach

Der Hallenbau an der Turnhalle zerschlug sich endgültig: Das Kreisbauamt versagte die Genehmigung, und der Turn- und Sportverein stellte zusätzliche Forderungen. Die Stahlkonstruktion war aber bereits beschafft.

Karl Rothenbach stellte ein Stück Ackerland in Kleinweidelbach zur Lagerung zur Verfügung, und Fritz Conrad, Bürgermeister von Kleinweidelbach und 2. Vorsitzender des Vereins, bot in Abstimmung mit dem Gemeinderat ein Gelände am Waldrand der Hahnenkammer an, pachtweise für 20 Jahre. Auf der Generalversammlung am 19. März wurde beschlossen, dort die Reithalle zu errichten und zugleich einen Reit- und Springplatz anzulegen. Für die Finanzierung bürgten sieben Vereinsmitglieder.

Beim Platzbau half die amerikanische Militärverwaltung vom Flugplatz Hahn. Der Verein hatte am 14. Juni zu einem Reitertag auf dem Flughafengelände eingeladen und erhielt dafür Unterstützung: Eine 33 Tonnen schwere Planierraupe ebnete das Gelände ein und schüttete eine Terrasse zwischen Halle und Reitplatz auf, die sich als Zuschauertribüne anbot. Die Halle mit 373 Quadratmetern entstand zuerst, an drei Seiten gemauert und zum späteren Reitplatz hin offen.

Am 23. August wurde das neue Reitgelände mit dem 5. Turnier eingeweiht: 46 Pferde aus 12 Vereinen gaben 150 Nennungen für 9 Prüfungen ab. Auch sportlich war es ein Jahr der Erfolge, vor allem mit Karl Heinz Rothenbach auf Doris und Schwalbe sowie Hartmut Ketzer auf Schwalbe, der als zweitbester Jugendreiter im Provinzialverband geehrt wurde. Die Turniersaison endete wie gewohnt mit der Fuchsjagd.

Die Reithalle
1964

Zehn Jahre Reit- und Fahrverein

Zum zehnjährigen Bestehen zählte der Verein 90 Mitglieder.

Anton Ketzer hatte zur Jahreshauptversammlung am 12. März eine Statistik erstellt: 63 passive, 11 aktive und 16 jugendliche Mitglieder. Den Turnierreitern standen 10 Pferde zur Verfügung, mit denen im vergangenen Jahr fünf auswärtige Turniere und das eigene besucht wurden. Neben dem Geschäfts- und Kassenbericht stand die Neuwahl des Vorstandes auf der Tagesordnung.

  • 90 Mitglieder: 63 passive, 11 aktive, 16 jugendliche
  • 10 Turnierpferde
  • fünf auswärtige Turniere und das eigene Turnier
Vereinsgemeinschaft

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